Du kannst Gott nicht kennenlernen, wenn du ihm ständig ausweichst

Jürgen Ferrary
12. September 2026

Stell dir vor, jemand sagt: „Meine Ehe ist mir unglaublich wichtig. Meine Frau bedeutet mir alles. Aber ehrlich gesagt sehe ich sie eigentlich nur, wenn ich gerade zufällig Zeit habe.“ Wir würden vermutlich freundlich nicken und gleichzeitig denken: Das wird schwierig.

Denn Beziehungen wachsen nicht dadurch, dass wir uns theoretisch wichtig sind. Beziehungen wachsen durch Zeit. Durch Gespräche. Durch gemeinsame Erlebnisse. Durch Zuhören. Und genau das gilt auch für unsere Beziehung zu Gott.

Wir können nicht sagen: „Gott ist mir unglaublich wichtig“, und ihm gleichzeitig ständig ausweichen. Natürlich können wir Gott alleine begegnen. Beim Spaziergang. Beim Bibellesen. Im Gebet. Und das ist wunderbar und wichtig. Aber hier ist etwas, das wir manchmal vergessen: Gott begegnet uns auch durch andere Menschen.

Deshalb ist der Gottesdienst mehr als ein Ort, an dem wir uns ein Lied anhören und anschließend eine Predigt bewerten. Gemeinschaft ist ein Ort, an dem Gott uns begegnen kann – manchmal auf eine Weise, mit der wir überhaupt nicht gerechnet haben.

Vielleicht kennst du das. Du hörst eine Predigt und denkst plötzlich: „Genau das musste ich heute hören.“ Oder du singst ein Lied, das du schon zehnmal gesungen hast – und plötzlich wird es zu deinem persönlichen Gebet. Oder jemand sagt nach dem Gottesdienst nur einen einzigen Satz zu dir. 

Für diese Person war es vielleicht nur ein Satz. Aber für dich war es genau die Antwort, um die du am Morgen noch gebetet hast. Paulus schreibt: Das wird euch dazu befähigen, zusammen mit allen anderen, die zu Gottes heiligem Volk gehören, die Liebe Christi in allen ihren Dimensionen zu erfassen – in ihrer Breite, in ihrer Länge, in ihrer Höhe und in ihrer Tiefe. (Epheser 3,18).

Beachte diese kleinen, aber wichtigen Worte: mit allen anderen. Wir entdecken Gott nicht nur allein. Wir entdecken ihn auch miteinander. Wir sehen Gott allein – aber gemeinsam entdecken wir oft Seiten von ihm, die wir alleine übersehen hätten.

Vielleicht erkennst du Gottes Treue, wenn jemand erzählt, wie Gott ihn durch eine schwere Zeit getragen hat. Vielleicht verstehst du Gottes Gnade neu, wenn du sie im Leben eines anderen Menschen siehst. Vielleicht bekommst du Hoffnung zurück, weil jemand neben dir singt, obwohl du selbst gerade keine Worte findest.

Paulus schreibt auch: „Lasst die Botschaft von Christus in ihrem ganzen Reichtum euer Leben erfüllen. Lehrt und ermahnt euch gegenseitig in aller Weisheit“ (Kolosser 3,16).

Gott hat es offenbar nie so geplant, dass wir unseren Glauben wie einen Einzelkämpfer-Sport betreiben. Wir brauchen andere Menschen. Menschen, die uns ermutigen. Menschen, die uns herausfordern. Menschen, die uns manchmal aufrichten.

Und manchmal sogar Menschen, durch die Gott uns etwas sagt, das wir alleine niemals gehört hätten. Der Psalmist schreibt: „Verherrlicht mit mir den Herrn und lasst uns gemeinsam seinen Namen preisen.“ (Psalm 34,4).

Alleine kannst du Gott kennenlernen. Aber gemeinsam kannst du seine Größe oft noch umfassender entdecken. Gott begegnet dir persönlich – aber er benutzt oft andere Menschen, um zu dir zu sprechen. Und deshalb ist Gemeinschaft nicht einfach etwas für besonders kontaktfreudige Christen. Sie gehört zu unserem Glauben.

Je mehr Raum Gott in deinem Leben bekommt, desto besser lernst du ihn kennen. Und manchmal schafft gerade die Gemeinschaft diesen Raum, den unser Alltag ihm sonst nicht gibt. Du kannst Gott nicht besser kennenlernen, wenn du ihm ständig ausweichst. Und du wirst manches über ihn nie entdecken, wenn du immer nur alleine unterwegs bist.

Deine Herausforderung für heute: Frag dich einmal ehrlich: Wo und wie gebe ich Gott Raum, mich zu verändern und ihm neu zu begegnen? Geh nicht nur zum Gottesdienst, um etwas mitzunehmen. Geh mit einer offenen Erwartung. Vielleicht möchte Gott heute durch ein Lied zu dir sprechen.

Durch einen Gedanken. Durch eine Predigt. Oder durch einen Menschen, den du vielleicht gar nicht auf deinem Radar hattest. Bete vor dem nächsten Gottesdienst ganz bewusst: „Gott, zeig mir heute etwas von dir, das ich alleine vielleicht übersehen hätte.“

Und dann geh hin – nicht nur, um einen Gottesdienst zu besuchen, sondern um Gott zu begegnen.

Sei gesegnet!

„Niemand kann eine große Symphonie allein pfeifen. Es braucht ein ganzes Orchester, um sie zu spielen.“ – H. E. Luccock

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